Datum: 11.11.1941, VOW ID 7938
Einsatzort: Seskar (Finnland)
Bericht: Genosse Molnija

Durch irgendeine Mauschelei unseres Staffelführers begab es sich, dass ich an diesem Tag gezwungen war im Verbund mit ein paar anderen "Unglücklichen" aus anderen Geschwadern, einen Angriff mit IL2 zu fliegen. Allein der Zeitpunkt der Einsatzbesprechung ließ in mir ein ungutes Gefühl aufsteigen. Sie war für 6:00 Uhr morgens angesetzt und wie ich später erfuhr war ich der einzige, mit einer Ausnahme, der an diesem Tag um diese frühe Morgenstunde raus musste. Auf dem Weg zur Einsatzbesprechung wehte ein beißender Wind aus Richtung Ost, der mir rein gar nicht in den Kram passte. Bei der Besprechung offenbarte man uns unser Ziel... ein Versorgungsdepot der Faschisten auf einer Insel vor der finnischen Küste sollte eine neue Heizung, mit den besten Grüßen des Genossen Stalin, bekommen... in Form einiger Brände an Tanks, KfZ und Flugbooten. Ich war als Nummer zwei eingeteilt und somit der Kettenhund eines recht erfahrenen, wenn auch wortkargen, Piloten (AI-Pilot).

Der Einsatz verlief Anfangs recht vielversprechend. Wir erreichten auf direktem Wege das Zielgebiet und konnten schon auf größere Entfernung den Luftkampf über selbigen miterleben. Unser "Geleitschutz" mühte sich redlich, die faschistische Luftverteidigung in Kurvenkämpfe zu verwickeln, um von uns Bombern abzulenken, doch leider hörte man, über Funk, einen nach dem anderen um Hilfe rufen. Da war wieder dieses ungute Gefühl... wenn schon die Ratas so vom Himmel fielen? Wen werden die 109er sich wohl danach vornehmen?... mein Gedankengang wurde glücklicherweise vom Angriffsbefehl des Führungsflugzeugs unterbrochen und von nun an galt meine ganze Konzentration dem Angriff. Beim ersten Anflug schoss ich mit meinen BRS-132 knapp hinter einen LKW, der sich aber erschreckend unbeeindruckt zeigte... Ziel nicht zerstört. Etwas frustriert und von einer Bf-109 abgedrängt verlor ich kurz die Orientierung, was dazu führte, dass ich beim zweiten Anflug, anstatt der Zielinsel eine Nachbarinsel angriff, welche mit heftigem Abwehrfeuer aus 20mm-Flak antwortete.

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Bei diesem Anflug wurde, die mich verfolgende 109, von ihren eigenen Leuten vom Himmel gefegt, was mich wiederum zum Nachdenken brachte... Wer war hier noch mal auf wessen Seite?... In einer engen Rechtskurve bemerkte ich dann auch meinen Fehler mit der Insel und kurvte mich wieder auf die Zielinsel ein. Der dritte Anflug endete ähnlich wie der erste, nur dass diesmal die BRS-132 vor dem LKW einschlugen, was diesen allerdings ebenso unbeeindruckt ließ, wie beim ersten Mal. Kurz nach dem Abfangen merkte ich, wie sich ein Jäger an meine 6 ranmachte und dort auch nach meiner Wende noch verweilte. Meinen 4. Anflug musste ich abbrechen, da der besagte Flieger mir bereits das Seitenruder zerschossen hatte und auch eine Ölleitung zu lecken begann. Das gesamte Cockpit war voll von Öl... es war überall... An der Frontscheibe, an den Instrumenten, im Fußraum und an meiner Montur.

 
 
 
 

Die Sicht nach vorn war gleich Null. Mein Verfolger ließ nach einem weiteren Anflug dann allerdings von mir ab. Ich nehme mal an, dass ihm die Munition ausging, da er recht abrupt aufhörte zu feuern. Nun galt es nur noch nach Haus zu kommen.

Ich stellte auf 090 und bettelte den Motor an, noch bis zum Platz durchzuhalten. Anfangs schien er mir auch wohlgesonnen, da er sich unschöne Geräusche verkniff und auch von der Leistung her noch genügend bereithielt, um mit über 300 km/h übers Wasser dahinzugleiten.

 
   

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Zu meiner Freude hatte sich, von mir unbemerkt, die Nummer 3, der Genosse Motory vom 88. IAP, zu meinem Schutz, an meiner linken Flanke positioniert. Hier mal einen recht herzlichen Dank dafür.

 
 
 
  Doch mit einem Male schien der gute AM-35M Motor mir doch noch einen Strich in meine Nachmittagsplanungen zu machen. Ein plötzlich auftauchendes Quietschen aus seiner Richtung verhieß nichts gutes. Und kaum dass das Quietschen begann, begann auch schon die Geschwindigkeit zu sinken. Eine weitere Minute später drehte ich auf 120° ein, da ich durch das zerfetzte Seitenruder leicht vom Kurs abkam. Diese Kurve war allerdings Gift für den Motor, der mit einem ohrenbetäubendem Geräusch seinen Unmut kund tat. Ihm fehlte eindeutig das Öl, welches ich schon seit geraumer Zeit über der Ostsee verteilte. Jetzt fiel die Geschwindigkeit schon unter die 250er-Marke und damit auch die Maschine an Höhe. Mir wurde klar, dass damit als Nachmittagsprogramm bei mir Schwimmen angesetzt war. Als ich mir dieser Tatsache bewusst wurde, funkte ich ein letztes Mal zu Motory, dass er meine Koordinaten nach seiner Landung durchgeben soll und alsbald öffnete ich die Kabine, bevor ich noch zu tief für einen Ausstieg war, denn auf eine Notwasserung wollte ich mich lieber nicht einlassen. Gesagt, getan. Sprang ich ab und sah noch Motory seelenruhig davon fliegen... der Sonne entgegen.  
   

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Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich gleich im eiskalten Wasser der Ostsee landen würde, war es ein erhebender Moment... irgendwie schön anzusehen... doch die Wirklichkeit meldete sich viel zu schnell, in Form von kaltem Salzwasser, zurück. Ich hatte Mühe den Schirm loszuwerden, doch nach wenigen Sekunden gelang es mir und ich trieb mit meiner Schwimmweste dahin. Schon bald hatte sich ein Stechen eingestellt, welches sich wie tausende kleiner Nadelstiche anfühlte. Aber nicht für lang, denn eine gewisse Taubheit stellte sich nun ein, welche mir erst sämtliches Gefühl aus meinen Gliedern sog und kurz darauf mir auch mein Bewußtsein nahm. Das nächste, woran ich mich erinnere war ein Matrose der Marine, der über mich gebeugt war und mir warmen Tee in den Mund schüttete. Auf meine Frage, ob ich tot sei, lachte er herzhaft und meinte, dass wir lahmen Flieger uns nicht so haben sollen, wenn wir mal etwas Salzwasser schlucken. Mit der Zeit kehrte auch das Gefühl in meine Finger zurück und ich konnte von einem Schnellboot zurück zu meiner Einheit gebracht werden. Dort angekommen machte ich eine Eingabe beim Staffelführer, dass man endlich einen Heckschützen in die IL einbauen sollte, da ich vorher keinen Drang mehr auf einen Einsatz in diesem "fliegenden Sarg" habe.

 
   

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