Datum: 11.11.1941, VOW ID 7937
Einsatzort: Pochinok bei Smolensk
Bericht: Genosse Cardinal

Der Wecker klingelte früh heute Morgen, verdammt früh. Vor allem wenn man bedenkt, dass die ganze Staffel gestern Abend gemütlich bei einigen Flaschen Wodka zusammensaß. Wir hatten nach dieser harten Woche einigen Grund zu feiern, und wie immer wurde es laut und spät. Ich war als einziger der Genossen heute morgen für die ungeliebte Frühpatrouille auserkoren. Über das Losverfahren muss ich noch mal mit dem Genossen Staffelkapitän sprechen......
Es ging in Richtung Smolensk, denn die Faschisten hatten gestern schon versucht, Ihre dreckigen Bomben in der Nähe des Bahnhofs loszuwerden, aber da unsere Gegenwehr übermächtig war, lief es nicht besonders gut für sie. Allerdings kannten wir die Verbohrtheit der Nazis und so hatten wir sicherheitshalber geplant heute noch einmal nach dem Rechten zu sehen. Es war daher vereinbart worden, aus jeder am Platz liegenden Staffel einen Piloten abzustellen, der heute Morgen die Patrouille zu fliegen hatte. Als ich durch das feuchte Gras zu meiner I-16 schlurfte, traf mich die kalte Morgenluft wie ein Schlag ins Gesicht und machte mich in Sekunden wieder nüchtern, die Genossen Flugzeugwarte übergaben mir die Maschine mit den üblichen Wünschen für eine gute Jagd. Wir alle sahen etwas blass und übermüdet aus, offensichtlich hatte nicht nur meine Staffel gestern etwas zu feiern gehabt. Die letzte Müdigkeit wurde aber schnell vertrieben, als der gewaltige Sternmotor zuverlässig wie immer nach wenigen Versuchen ansprang und die Kampfbereitschaft unserer glorreichen Roten Armee in den Morgendunst brüllte. Ich war jetzt wieder ganz Jagdflieger. Als unsere zusammengewürfelte Gruppe aus 4 I-16 in der Luft war, ging es zunächst auf Nordkurs, als einer der erfahrenen Frontflieger war es mir zugefallen, die Gruppe auf der Patrouille Richtung Smolensk zu führen. Als wir in der Luft waren, kurbelte ich fluchend und schimpfend das Fahrwerk in die Flächen. Das war mehr als genug Frühsport und mir stand der Sinn nach anderem. Ich hatte mich entschlossen niedrig anzufliegen, wir blieben zunächst in 50 Metern und grüssten einige Einwohner des nahen Dörfchens beim Umfliegen des Kirchturms durch kurzes Flügelwackeln.

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Sie schüttelten Ihre Fäuste zum Gruss in Richtung Himmel, alles in allem war das Verhältnis zur Arbeiterklasse recht herzlich...
Wir erreichten nach einigen Minuten Flug den ersten Wendepunkt und gingen jetzt auf Nordwestkurs direkt Richtung Smolensk. Gegen 7:30 Uhr erreichten wir die Metropole und begannen unsere Patrouille entlang des Dnepr. Der Bahnhof lag im gleissenden Sonnenschein nahezu unbeschädigt rechts unter uns, die Faschisten hatten natürlich gestern kaum Schäden anrichten können. Mit Genugtuung stellte ich fest, daß offensichtlich auch einige Flakstellungen unserer glorreichen Armee zugeführt worden waren. Das sollte zusammen mit uns als Schutzschirm ausreichen um die verbrecherischen Hunnen von weiteren Terrorangriffen abzuhalten. Zunächst aber blieb alles ruhig und wir Genossen weideten uns am Anblick von Smolensk in der klaren Morgenluft, es versprach ein herrlicher Tag zu werden und wenn ich nicht diesen Früheinsatz erwischt hätte würde ich jetzt mit der kleinen Brünetten aus der Kantine auf der Treppe vor dem Hintereingang sitzen und ihr einige Fliegergeschichten erzählen, aber das ist eine andere Geschichte..... Als wir schon einige Runden hinter uns hatten, sah ich sie plötzlich: Drei kleine braune Punkte, die sich sehr niedrig aus Nordwesten näherten. Schnell stellte ich fest das es sich um Ju87 handelte, offensichtlich hatten die Faschisten die Hoffnung noch nicht aufgegeben noch einmal in Richtung Stadtzentrum durchzubrechen. Ich gab die Jagd frei und als die feigen Luftwaffenpiloten uns erblickten stoben sie in alle Richtungen auseinander, es sollte ein Leichtes sein, sie vor uns her in Richtung Westen zu treiben. Schnell wurde der erste Stuka zerlegt und trudelte brennend in Richtung Boden zu einer extrem harten Landung ohne Vorwärtsfahrt. Ich sah keine Schirme... In der Begeisterung über diesen leichten Sieg eines Genossen hätten wir fast die beiden Bf109 übersehen die die Faschisten noch irgendwo zusammengeklaubt haben mussten um den Stuka einen, wenn auch jämmerlichen Jagdschutz zu stellen. Da zwei Genossen gleich begannen, sich um die Eindringlinge zu kümmern, konnte ich mich in Ruhe hinter einen Stuka setzen, der es wagte, wieder in Richtung Smolensk zu drehen.

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Im ersten Anflug habe ich wohl gleich den unwürdigen Heckschützen erschossen, denn er gab nur einige kurze ungezielte Salven ab dann war schon Schluss und ich konnte in Ruhe beginnen, den Faschisten zu demontieren. Nach einigen gutgezielten Schüssen flogen mir diverse Blechteile um die Ohren und der Stuka zog eine Fahne aus Öl und Kühlmittel hinter sich her. Nach einem weiteren Treffer schlugen Flammen aus der Motorverkleidung und die Ju87 neigte sich Richtung Erdboden. Ich drehte ab und sah über die Schulter blickend wie die Maschine im Wald einschlug, und wieder keine Schirme, heute hatten wir der Nazi-Luftwaffe bereits empfindliche Verluste zugefügt. Offensichtlich hatten die Genossen in der Zwischenzeit eine BF109 abgeschossen und die zweite vertrieben. Was aus dem dritten Stuka geworden ist, weiss ich nicht, aber der Himmel war wieder strahlend und klar, als ich den Befehl zum Sammeln gab. Leider mussten wir feststellen, daß es ein Genosse trotz heroischen Einsatzes nicht nach Hause schaffen würde, er war im aufopferungsvollen Kampf um die Heimat ermordet worden und lag jetzt westlich Smolensk auf dem Feld der Ehre. Wir werden sein Andenken bewahren. Die beiden anderen Genossen machten sich mit mir auf den Rückweg. Wir entschlossen uns aufgrund der Treibstoffsituation jedoch, sicherheitshalber den ersten Platz direkt südlich Smolensk anzufliegen. Nach der Landung wurden wir mit Jubel begrüsst und auf ein Fläschchen Wodka eingeladen. Wir kontaktierten unseren Platz und meldeten uns bis zum nächsten Morgen ab. Später lernte ich noch eine nette Sanitätshelferin kennen, aber das ist eine andere Geschichte...

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