Datum: 12.10.1941, VOW ID 499
Einsatzort: Uvarovka / Mozhaysk vor Moskau
Bericht: Genosse Dr. Jones

Unsere am frühen Morgen gestarteten Aufklärer kamen mit besorgniserregenden Ergebnissen zurück. Hinter der immer näher rückenden Front fahren die faschistischen Agressoren immer mehr Kräfte auf. Unsere Staffel erhält den Auftrag, mit 6 IL-2 und MiG-Jagdschutz eines der Kfz-Nachschub-Lager bei Temkino zu vernichten.

 
 

Die Führungsmaschine übernimmt der Genosse Berkut, gefolgt von mir und Molnija, jeder mit 6 mal 100kg Bombenlast. Wir fliegen in etwa 400m Höhe, es ist dunstig. Vor Erreichen der Front gehen wir tiefer, um die deutsche Flak zu überraschen. Der Plan geht auf, die Abwehr kann uns nur noch hinterherschießen, ohne Schaden anzurichten. Von nun an schmiegen wir uns regelrecht ans Gelände, fliegen in Baumwipfelhöhe und nutzen jedes Flusstal und jede Senke, um unentdeckt zu bleiben. Von den faschistischen Jägern ist nichts zu sehen, die haben wahrscheinlich Höhenflüge, im wahrsten Sinne des Wortes.

 
 

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Wir queren das letzte Flusstal vor dem Zielgebiet, rechts die Brücke - passt - es muß genau vor uns liegen. Leistung rein und die Uferböschung hoch. Ich ziehe hinter Berkut her, links vor uns liegt das Dorf. Wir lassen uns zum ersten Angriff über die linke Fläche fallen. Da ist es: Auf einer freien Fläche im Dorf stehen germanisch akkurat ausgerichtet mindestens 20 Panzer und Lkw. Auch hier haben wir die Abwehr überrascht, sie beginnt erst nach unserem ersten Angriff zu schießen, mit dem wir schon mindestens 5 Ziele vernichtet haben. In einer weiten Linkskurve ziehe ich wieder hoch, den Himmel absuchend. Immer noch keine Feindjäger hier, unsere MiGs haben sie in Luftkämpfe verwickelt. Bei meinem zweiten Anflug von Süd sehe ich schon mindestens 8 Ziele brennen, Gestalten laufen deckungsuchend wild auseinander. Gute Arbeit der Sturmoviks bis jetzt! Von links kommt mir eine IL-2 entgegen, wir klinken gleichzeitig unsere Bomben aus und rasen aneinander vorbei, hinter uns die Detonationen. Ich ziehe wieder hoch und sehe, wie Berkut und Molnija erneut auf das Ziel eindrehen - da geschieht es: Eine Flak-Granate platzt direkt unter mir und erschüttert meinen "Sturmovik", dass ich augenblicklich damit rechne, dass er abmontiert. Ich hätte nicht einmal die Höhe auszusteigen! Ein fürchterliches Knirschen und Kreischen von berstendem Metall um mich herum, aber ich fliege noch - irgendwie! Die Maschine giert und schlingert, kämpft mit der versagenden Aerodynamik. Ich schmeiße sofort die letzten beiden 100kg-Bomben ins Gelände, um es ihr leichter zu machen. Gas, Gas ... sie stabilisiert sich, fliegt! Ein folgender Ruder-Check fällt ernüchternd aus, am Knüppel ist kein Ruderdruck zu spüren. Keine Höhenruderwirkung und ... die Querruder sind weg! Ich starre auf die von Splittern durchsiebten Flächen, das Beplankungsblech steht kreuz und quer! So also sehen die Flächen innen aus. Gut, dass die Maschine sauber ausgetrimmt war, nun übernimmt das Gas notdürftig die Höhensteuerung und mit dem Seitenruder schiebe ich mich um die Ecke. Weg hier! Rechts liegt das Dorf, über dem Sammelplatz der Faschisten steht eine einzige dicke Rauchsäule. Da dürfte nicht viel übrig sein! Gute Arbeit, Genossen! Berkut ruft zum Sammeln für den Heimweg.

 
   

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Erst jetzt erscheinen hier unten die ersten 109er. Frustriert über den verpatzten Einsatz vergreifen sie sich an den abziehenden IL-2s, die sich ohne ihre Bombenlast aber ganz gut gegenseitig schützen können. Man könnte ja auch mal einen Sitz für einen Heckschützen einbauen! Ich werde unserem verdienten Konstrukteur, dem Genossen Sergeij Wladimirowitsch Iljuschin, mal einen Brief diesbezüglich schreiben.
Auch ich erhalte eine Portion Kruppstahl-Projektile, die aber zum Glück keinen weiteren Schaden anrichtet.

 
 
 
 

Mein Verfolger lässt von mir ab - wieder Glück gehabt! Langsam klettert mein fliegender Schrotthaufen. An der Front schießt noch einmal sporadisch die Flak, aber die Salven sitzen schlecht - nochmal Glück. Berkut gesellt sich zu mir und besieht den Schaden aus der Nähe. Das halbe Höhenleitwerk fehlt, das rechte Fahrwerk ist herausgerissen, von den Flächen und fehlenden Querrudern ganz zu schweigen. Gut, ich bin jederzeit zum Aussteigen bereit, falls das Material schwächelt. Am Platz angekommen sehe ich gerade Molnija landen und von der Piste rollen. Über Funk gebe ich bescheid, dass ich jetzt aussteigen und die IL-2 an den Platzrand schmeißen werde. "Bis gleich bei Golf Echo! Viel Glück!", wünschen Molnija und Berkut, der es sich nicht entgehen lässt, meinen Absprung aus der Nähe zu sehen. Na dann - Gas raus, Dach weg, Gurte los und raus!

 
   

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Alles geht gut, ich hänge direkt über der Piste am Schirm und beobachte den Sturz meiner IL-2, bis sie an der Südkante des Platzes aufschlägt und explodiert. Berkut fliegt seine Landeeinteilung und setzt fast zeitgleich mit mir auf. Ich laufe zur Piste, per Anhalter auf Berkuts Fläche rolle ich mit in die Deckung, wo Molnija und GE grinsend warten. Der freut sich, dass seine Lieblings-Casino-Gäste heil zurück sind und lässt ne Runde Wodka auf Kosten des Hauses springen.

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